Der Jamaikaner Usain Bolt benötigte auf 100m 9,81 sec, um im Endlauf die Goldmedaille in Rio zu gewinnen. Der Olympiasieger Wayde van Niekerk aus Südafrika erzielte mit 43,03 sec auf 400m einen neuen Weltrekord. Bolt lief dabei die 100m mit 36,7 km/h, van Niekerk die 400m mit 33,2 km/h.

Bei Fortführung dieser Rechnung auf die Marathondistanz von 42,195 km kommt der Sieger Eliud Kipchoge aus Kenia mit einer Zeit von 2:08,44 auf eine Geschwindigkeit von 19,67 km/h.

Diese Betrachtung könnte aus unterschiedlichem Blick für uns von Interesse sein. Zum einen die Faszination darüber, dass die meisten von uns diese Leistung noch nicht einmal mit dem Rad erbringen könnten. Zum anderen die Erkenntnis eines wichtigen Trainingsgesetzes: Mit zunehmendem Umfang wird die Intensität der Belastung geringer. Dies gilt nicht nur für die Olympiasieger, sondern für alle, egal auf welchem Leistungsniveau wir uns bewegen.

Nehmen wir einen berufstätigen Gesundheitssportler als Beispiel, so wird dieser den Umfang seines Trainings in erster Linie von seinem Ziel abhängig machen. Möchte auch er einen Marathon laufen, so wird er mit höheren Umfängen trainieren (müssen), als derjenige der sich ausschließlich seiner Gesundheit zuliebe bewegt. Ihm genügen vermutlich 2 bis 4 Trainingseinheiten von 30 – 40 min Dauer. Letztendlich entscheidet das persönliche Zeitbudget, das jeder von uns investieren will oder kann, über den Trainingsumfang pro Woche.

Die Gestaltung der Intensität von Trainingsbelastungen ist Aufgabe des Trainers. Er wird diese auf der Grundlage einer leistungsdiagnostischen Untersuchung mit Herzfrequenz-, Blutdruck- und Laktatmessungen sowie der Zielsetzung gemeinsam mit dem Trainierenden entscheiden.

Der Anfänger soll zu Beginn seines Trainingsprozesses zuerst den Umfang steigern, um seinen Körper stoffwechselphysiologisch an die Verbrennung von Fettsäuren zu gewöhnen und um seine weitaus geringeren Kohlenhydratdepots (ca. 500 g in Leber und Muskulatur) zu schonen. Im Fortgeschrittenenstadium wird dann mit der Intensität „gespielt“, um auch in anderen Bereichen des Organismus (z.B. am Herz-Kreislaufsystem) weitere Anpassungsprozesse und damit eine bessere Leistungsfähigkeit zu bewirken.

Aber Vorsicht: Zu viel Intensität kann das Gegenteil von dem bewirken, was wir vom Training erwarten – bessere Gesundheit und mehr Wohlbefinden. Hohe Intensitäten erfordern längere Erholungszeiten. Werden die nicht eingehalten und besteht darüber hinaus auch noch eine hohe Stressbelastung im Arbeitsalltag, dann besteht die Gefahr, dass die Leistungsfähigkeit auf Dauer sinkt. Mit allen negativen Folgen für die Gesundheit und die Leistung am Arbeitsplatz.

Deshalb mein Tipp: Ich rate Ihnen einen Profi als Berater hinzuzuziehen, wenn es um wichtige Dinge im Leben geht. Unser Auto fahren wir in die Werkstatt, wenn wir Fragen haben, auf die wir keine qualifizierte Antwort wissen. Warum sollen wir, wenn es um unser wertvollstes Gut -die Gesundheit- geht, selbst an uns herum „doktern“ und Prinzip Hoffnung walten lassen?

Ich diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Erfolg beim Managen Ihres Körpers!

Ihr

Dr. Bernd Gimbel