von Dr. Bernd Gimbel

Beim betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) und der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF)
wird oft im „Trüben gefischt“. Ohne fundierte Analyse des Ist-Zustandes und einer klaren
Zielformulierung (Festlegung von Sollwerten) werden noch so gut gemeinte gesundheitsfördernde
Strategien zum Spielball des Zufalls. Keine guten Voraussetzungen um erfolgreich zu sein!
Kein Unternehmen überlässt das Erreichen seiner geschäftlichen Ziele dem Zufall. Alle Maßnahmen
basieren auf Analysen und die Strategien sind eng an diesen Zielen ausgerichtet. Zu festgelegten Zeiten
sind Prüfungen vorgesehen, ob die Maßnahmen dem Erreichen der unternehmerischen Ziele dienen. Bei
erkannten Abweichungen erfolgt umgehend eine Veränderung der Strategie. Das Prozessmanagement
mit Analysen, zielgerichteter Planung, der Umsetzung von Maßnahmen sowie Kontrollen ist stringent
strukturiert.
Bei der Implementierung von BGM-Maßnahmen herrscht trotz harter Fakten oftmals ein anderes
Denken vor. Fest steht seit Langem:

  • Die meisten AU-Tage basieren seit Jahren auf Erkrankungen des Bewegungsapparates.
  • Die AU-Tage steigen mit zunehmendem Alter der Mitarbeiter erheblich an (bei 60-jährigen
    um ca. das 3-fache gegenüber den 30-jährigen).
  • Die Anzahl der durch psychische Erkrankungen bedingten AU-Tage hat sich in den letzten 10
    Jahren mehr als verdoppelt.

Trotz dieser Erkenntnisse existieren gerade bei kleinen und mittelständigen Unternehmen aus
Personalmangel und einer anderen Prioritätensetzung meist keine BGM-Strukturen. Aber auch bei
großen Unternehmen beschränken sich die BGF-Maßnahmen häufig ausschließlich auf einen
Gesundheitstag pro Jahr. Andere „Klassiker“ sind Kurse zur Rückenfitness oder Steigerung der
Entspannungsfähigkeit, die nach dem § 20 des Sozialgesetzbuches oft von Krankenkassen bezuschusst
werden und dem Unternehmen selbst nur geringe Kosten verursachen. Es darf begründet bezweifelt
werden, dass solche Einzelaktivitäten zu nachhaltigen gesundheitlichen Verhaltensänderungen bei den
Mitarbeitern führen oder den Problemen des demografischen Wandels, die auf die Unternehmen in
Zukunft verstärkt zukommen werden, damit erfolgreich begegnet werden kann. Es existiert somit kein
Erkenntnis-, sondern ausschließlich ein strategisches Umsetzungsproblem in den Unternehmen.

 

Adhärenz im Betrieblichen Gesundheitsmanagement steigern

Durch Ausweitung der Management-Strukturen auf den Bereich der Gesundheitsförderung ließe sich
relativ einfach die Erfolgswahrscheinlichkeit von BGF-Maßnahmen optimieren. Zumal die Fähigkeiten in
den Unternehmen zweifelsfrei vorhanden sind.
Wo steht das Unternehmen aktuell (Ist-Zustand definieren)? Welche konkreten Probleme existieren (z.B.
hohe AU-Tage in bestimmten Abteilungen)? Welche Fragen müssen geklärt werden (z.B. Wie erhalte ich
die Arbeitsfähigkeit der älteren Mitarbeiter)? Wo soll es hingehen (Soll-Zustand definieren)? Welche
Zielgruppen sind besonders betroffen (Administration oder Produktion)? Wie gelingt es, die Mitarbeiter
für Maßnahmen zu begeistern und mitzunehmen (Adhärenz, früher Compliance erhöhen)? Das sind die
drängenden Fragen, die einer Antwort bedürfen. Von denen sich daraus ableitenden Strukturen und
Strategien wird der Erfolg eines unternehmensspezifischen betrieblichen Gesundheitsmanagements
abhängen.

 

Der entscheidende Schritt, auf den es gilt besondere Aufmerksamkeit zu lenken, ist die Entscheidung
darüber, wie ein hohes Maß an Adhärenz erzeugt werden kann. Darunter ist im Umfeld von BGM und
BGF das Ausmaß zu verstehen, wie das Verhalten der Mitarbeiter in Einklang mit dem Erreichen von
Zielen der Gesundheitsförderungsstrategien steht. Der Grad der Adhärenz ist letztendlich das Maß für
den Erfolg der entwickelten Ideen.
Im Unterschied zu dem früher verwendeten Begriff Compliance, liegt bei der Adhärenz der Fokus mehr
auf der gemeinsamen Gestaltung (Miteinander von Geschäftsleitung und Mitarbeitern) von
gesundheitsfördernden Strukturen und Maßnahmen im Unternehmen. Der Bedarf der Mitarbeiter und
die Entwicklung motivierender Maßnahmen zur Findung einer größtmöglichen Akzeptanz steht im
Mittelpunkt des Handelns. Gemeinsames Agieren sowohl zum Wohle des Einzelnen als auch des
Unternehmens sind das Maß der Dinge, weil dann von allen Seiten erkannt wird, dass eine derartige
betriebliche Gesundheitsförderung nur Gewinner kennt: den gesunden Mitarbeiter und das gesunde
Unternehmen.
© Dr. Bernd Gimbel, KörperManagement® KG

Hier geht es zum Download des Artikels von Dr. Bernd Gimbel