Sie wissen alle -und eine Vielzahl von Studien bestätigt es immer wieder-, Bewegung ist gesund! Meist ergänze ich diese Aussage noch mit den Worten: Bewegung ist die beste Medizin, wenn sie richtig betrieben wird, ganz ohne Nebenwirkungen. Beim Sport, insbesondere beim Leistungssport, sieht dies etwas anders aus, wie die Spätfolgen bei vielen ehemaligen Leistungssportlern zeigen. Durch die hohen Belastungsumfänge und -intensitäten kommt es zu einer enormen Beanspruchung des Bewegungsapparates. Schmerzen im Training werden toleriert und gehören dazu, wenn es um die Erbringung von Höchstleistungen geht. Die Einnahme von Medikamenten zur Leistungssteigerung und zur Schmerzbekämpfung sind an der Tagesordnung.

Nicht selten fühlen sich Breiten- und Gesundheitssportler auch als Leistungssportler, weil sie beim Sportabzeichen oder beim Marathonlauf den persönlichen Ehrgeiz entwickeln, eine bessere Leistung erzielen zu wollen als ihre Freunde, Kollegen oder Rivalen. Auf alle Fälle möchten sie die eigene Bestleistung überbieten. In diesem Fall wird häufig zu leistungsstimulierenden Mitteln und Medikamenten zur Schmerzunterdrückung gegriffen (siehe https://www.zeit.de/2015/44/doping-amateursport/komplettansicht).   Die Frage stellt sich, wo ist die (Schmerz-) Grenze des gesundheitlich Tolerierbaren. Die Alternative, sich nicht zu bewegen (oder keinen Sport zu treiben) stellt zumindest keine Lösung dar. Bewegungsmangel führt auf Dauer zu chronischen Erkrankungen am Bewegungsapparat und trägt zu Herz-Kreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes bei. Schmerzen treten dann als Folge der Minderbeanspruchung und Ausdruck eines krankhaften Organismus auf.

Wie ist dieses Dilemma aufzulösen? Jeder von Ihnen sollte seine persönliche Balance zwischen Belastung und Belastbarkeit herausfinden. Jedes Bewegung, jedes Training oder jede sportliche Einheit fordert eine anschließende Regeneration. Ihre Dauer ist abhängig von der Intensität der Belastung und von den belasteten Strukturen im Organismus (unterschiedliche Regenerationszeiten von Muskeln, Bändern, Sehnen und Gelenken). Darüber hinaus gibt es individuelle Unterschiede.

Auftretende Schmerzen an sich sind erstmal kein Problem. Sie sind ein Warnsignal des Körpers, das Sie beachten sollten. Muskelkater kann auftreten, wenn Sie Ihre Komfortzone verlassen, weil Sie Ihre Leistungsfähigkeit verbessern möchten. Der Sportler steigt danach in die Eistonne, um den Schmerzen vorzubeugen und die Regenerationszeit zu verkürzen, weil die Kälte in der Folge zu einer stärkeren Durchblutung der Muskulatur und darüber zu einer erhöhten Zufuhr von Nährstoffen und einem besseren Abtransport von angefallenen Stoffwechselabfällen führt. Muskelzerrungen, Verstauchungen und Gonarthrose (degenerative Erkrankung des Kniegelenks) lassen sich am besten mit lokal anwendbaren Schmerzmitteln (am bekanntesten ist das Diclofenac, aber auch Ketoprofen und Piroxicam zählen dazu) behandeln. Bei z.B. Verstauchungen des Sprunggelenks können Sie die PECH-Regel anwenden: Pause, Eis, Compression, Hochlegen. Das Dehnen nach dem Training hat in der Zwischenzeit etwas an Bedeutung verloren, weil es keine Studienbelege dafür gibt, dass dadurch Schmerzen vermieden werden können.

All diese Maßnahmen sind wichtig und sinnvoll. Dagegen ist die Einnahme von Medikamenten zur Unterdrückung von Schmerzen zum Überstehen eines Marathonlaufs oder anderer extremer körperlicher Belastungen ein absolutes No-Go, weil Sie keine Rückmeldung mehr über die reale Wirkung der Belastung auf Ihren Organismus erhalten.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen gesunde Belastungen und eine angenehme Regeneration danach.

 

Ihr

Dr. Bernd Gimbel

KörperManagement® KG Bad Homburg