Diese Woche war es wieder soweit: Die J.P. Morgan Corporate Challenge® hat in Frankfurt mit über 60.000 Läuferinnen und Läufern stattgefunden. 5,6 Kilometer galt es zu bewältigen. Auszeichnungen wurden für Tagessieger und Teamleistungen vergeben.

Die begeisterten Läufer spricht ein solches Event sicher sehr an. Eine sonst stark befahrene Strecke wird abgesperrt und man kann sich mit Kolleginnen und Kollegen „messen“ und eine schöne Zeit verbringen. Danach trifft man sich und lässt den Abend gemeinsam gemütlich ausklingen.

In Unternehmen höre ich häufiger, dass solche Events „Teil des Betrieblichen Gesundheitsmanagements sind und recht viel Budget dafür verbrauchen“. Kann das eine gute Strategie sein?

Zunächst sollte man sich die Begriffe „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ und „Betriebliche Gesundheitsförderung“ genauer anschauen. „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ bezeichnet ein systematisches und nachhaltiges Vorgehen bei der gesundheitsförderlichen Gestaltung von Strukturen und Prozessen im Unternehmen. Es geht zudem um die gesundheitsförderliche Befähigung der Beschäftigten. Die „Gesundheitsförderung“ ist dann letztendlich die Umsetzung von Maßnahmen, die sich aus dem Gesundheitsmanagement ergeben. Ein Firmenlauf kann somit „nur“ eine Umsetzungsmaßnahme sein. Er hat weder etwas mit systematischem und nachhaltigem Vorgehen hinsichtlich der Strukturen und Prozesse im Unternehmen zu tun, noch befähigt er Beschäftigte bezogen auf ihre Gesundheitskompetenz.

Was wird also durch einen solchen Firmenlauf passieren? Besonders die „sportaffinen“ Mitarbeitenden werden sich freuen und anmelden. Einige werden sich „mitreißen“ lassen, mal wieder die Sportschuhe auspacken und „ein paar Einheiten laufen gehen“. Erstere sind eh schon gesundheitssportlich aktiv und benötigen eigentlich gar keine weiteren Anreize. Zweitere werden in der Regel kurzfristig (zu) intensiv trainieren, um mit den Kolleginnen und Kollegen „mithalten“ zu können. Was ist mit den „ganz Unsportlichen“? Diejenigen, die mit „Sport“ und „Fitness“ nichts Positives verbinden, werden abgehängt. Diejenigen, „die im Schulsport als letztes gewählt wurden“, ebenso. Diese so wichtige Zielgruppe der Gesundheitsförderung wird man mit einem „Wettkampf“ nicht erreichen. Im Gegenteil, sie werden entweder dem Gruppenzwang nachgeben und mal wieder eine „Schinderei“ erleben und sich bestätigt fühlen, oder sie werden sich ausgrenzen.

Was kann also ein Firmenlauf leisten? Er kann als schönes Outdoor-Teamevent für die mehr oder weniger „Sportlichen“ in der Firma angeboten werden und ein positives Erlebnis für diese Zielgruppe schaffen.

Ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement erfordert allerdings mehr. Hier sollten sich die Unternehmen die Frage stellen, welches Ziel sie mit einem Gesundheitsmanagement verfolgen wollen. Geht es lediglich um ein paar Angebote zu gesundheitsförderlichem Verhalten? Dann können der Gesundheitstag und Firmenlauf ausreichend sein. Geht es um den Erhalt der Arbeitsfähigkeit aller Mitarbeitenden und eventuell sogar um einen „Return on Invest“, dann sollte das Unternehmen das Budget vom Firmenlauf für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement verwenden und gut koordinierte Gesundheitsförderungsmaßnahmen anbieten, die für alle einen Nutzen haben.